michaelRoman- und Theaterautor
Essayist
Professor
         Zauberer



Ein zweites Leben

Ein zweites Leben

In einem Interview des Wiesbadener Kuriers (21.05.2016) nimmt Michael Schneider zu seinem neuen Roman und den Umständen seiner Entstehung Stellung.

 

Leser- und Pressestimmen  

 

Ein außerordentlicher Liebes- und Gesellschaftsroman.

Der Universitätsprofessor und Schriftsteller Fabian, der nach dem plötzlichen Aneurysma-Tod seiner geliebten Frau in eine tiefe Lebenskrise gerät, verbringt eines „burnouts“ (einer Depression) wegen mehrere Wochen in einer psychosomatischen Klinik. Hier lernt er etliche Mitpatienten kennen und begreift allmählich, daß seine Erkrankung verflochten ist mit der Zeitkrankheit des „rasenden Stillstands“, mit dem Markt- Effizienz- und Rendite-Denken des Neoliberalismus, das sich in alle Zweige und Rinnsale der Gesellschaft wie eineSeuche ergossen hat. Aus der Habgier wurde eine „systemnotwendige Sucht“ und der „Motor der Ökonomie“, schließlich bloße Beschleunigung und allgemeine Sinnleere. Der Privatisierungs- und Deregulierungswahn beschädigt die Lebensverhältnisse und beraubt sie zunehmend ihrer Menschlichkeit und Mitmenschlichkeit. Fabian entscheidet sich dafür: gegenzusteuern, ein „zweites Leben“ zu beginnen. Michael Schneider verschränkt mit Raffinesse und Humor die widersprüchlichen Facetten dieses figuren- und ideenreichen Romans. „Ein zweites Leben“ enthält – souverän erzählt – unter anderem spannende Gedankenduelle, eine zarte Liebesgeschichte und einen mißlingenden neuen Beziehungsversuch. Ein romaneskes Zeitbild, dem viele Leser zu wünschen sind. 

Stephan Reinhardt, Literaturwissenschaftler

 

Warum hat der Autor bei seiner Trauerarbeit die Romanform gewählt? Nun, es ist die behutsame Fiktionalisierung, die die Freiheit schafft, Dinge und Konstellationen in einer Weise anzusprechen, die in einem direkt autobiografischen Zusammenhang peinlich und exhibitionistisch wirken könnten. Jedenfalls war die Strategie des Autors erfolgreich: Peinlich ist hier gar nichts, existentielle Betroffenheit  wird mit jener unsentimentalen Dezenz zur Sprache gebracht, die für sich einnimmt und den Leser gleichsam mittrauern lässt. Und mit gutem Gespür und Geschmack vermeidet Schneider auch ein happy end, das in diesem Kontext als Gefühlskitsch herüber kommen könnte. Zwar kann sich Fohrbeck, als er in der Klinik der Tanztherapeutin und Sängerin Lea begegnet, erstmals wieder einer Frau öffnen, aber was aus der Beziehung wird, bleibt in der Schwebe..

Frankfurter Rundschau

 

Liebe in den Zeiten der Psychoanalyse,

so könnte der neue Roman von Schneider auch heißen. Als sei der Autor, mehr als 40 Jahre später, zu seinem ersten Buch „Neurose und Klassenkampf“ zurückgekehrt. Doch während sein frühes Buch der Wissenschaft gewidmet war, deutet sein jüngstes die Liebe in den Zeiten des digitalen Zeitalters, in Zeiten, die nicht mehr zu altern scheinen, in denen die Zugriffszeit jenes Tempo bestimmt, in dem wir leben sollen.
Auch der Klassenkampf ist bei Schneider nicht vergessen. Anders als manch andere Autoren seiner Generation hat sich Schneider seinen Blick auf die gesellschaftlichen Verhältnisse bewahrt und findet in der Klinik ein Figuren-Ensemble, in dem eine Karriere-Dame den Neo-Liberalismus als alternativlose Lebensform predigt und den Wettbewerb als Maßstab der Dinge preist: „Nicht der Große frisst den Kleinen, sondern der Schnelle den Langsamen.“ Wenn der ausgebrannte Hochschul-Lehrer ihr Senecas Schrift „Von der Kürze des Lebens“ entgegenhält, erscheint er hoffnungslos altmodisch und verteidigt doch nur ein Leben außerhalb des Profitdenkens.
Zuletzt fordert er  seine Universität heraus: Ein Symposium, das von der Gewalt der Geschwindigkeit handelt, fragt nach dem Sinn dieser Geschwindigkeit, nach ihrem Wofür. Ein Sturm, ein langes, intensives Gewitter bringt den Roman zu einem dramatischen Klimax und einem Ende, das keine Fragen beantwortet, sondern neue stellt.

Ulrich Gellermann in: Neues Deutschland 


Im Mittelpunkt dieses Romans steht die Verarbeitung eines großen Verlusts, einer großen Liebe und daran anschließend die Suche nach einem Leben danach, das der Kulturwissenschaftler Florian Fohrbeck mithilfe einer Therapie zu finden hofft. …Er wird konfrontiert mit der Aufarbeitung einer Ehe, die 30 Jahre lang doch so harmonisch zu verlaufen schien. ...Die unscheinbaren Bruchstellen, die kleinen Risse, die unerfüllten Sehnsüchte dieser geradezu symbiotischen Verbindung zu erforschen, das Unausgesprochene, das nun ewig unausgesprochen bleiben wird, zu ergründen, stellt den unbequemen Weg der Therapie, des Bewältigungsprozesses dar, der für Fohrbeck zugleich eine Art Abnabelung bedeutet. Michael Schneider versteht es, diese Passagen mit ungeheurem Feingefühl zu schildern.

Luxemburgisches Tagblatt

 

Ich gehöre (noch) nicht zur „silbernen Generation", trotzdem konnte ich hier gut nachempfinden was es bedeutet, seinen Partner zu verlieren, der einen seit Jahrzehnten begleitet hat. Die Beschreibung des Klinikaufenthalts, die psychologischen Analysen und vielfältigen therapeutischen Ansätze fand ich sehr interessant. „Ein zweites Leben" ist aber noch viel mehr: was Michael Schneider an Diskussionen über soziologische und wirtschaftspolitische Themen einbringt, spiegelt vieles der heutigen Gesellschaft wider. Ein gehaltvolles Werk, das mich um viele Denkansätze bereichert hat.

Marcus Kufner, Büchercafé
 
 
Dass der 560 Seiten starke Roman nicht erdrückend wirkt, liegt nicht nur daran, dass es Schneider durchgängig gelingt, angesichts höchst persönlich-intimer Themen wie Tod, Trauer und Liebe/Sexualität im fortgeschrittenen Alter die richtigen Töne zu treffen. Ohne den Lesefluss zu stören wechseln sich Erzählpassagen mit Tagebucheinträgen, dem elektronischen Pendant zu Liebesbriefen – soll man es Liebes-E-Mails nennen? – und Zitaten von Größen der Literatur- und Philosophiegeschichte ab. Überhaupt ist dem Roman eine große Zitierfreude anzumerken: Neben den ‚direkten‘ Zitaten lässt sich auch der E-Mail-Wechsel Fohrbecks mit seiner neuen On-Off-Flamme als Anspielung auf die Briefromane des 18. Jahrhunderts wie etwa Goethes Leiden des jungen Werther verstehen. Ein Kuriosum auf Form-Ebene liefert Schneider zum Ende des Buches hin mit einem recht ausführlichen, vollständig wiedergegebenen ‚wissenschaftlichen‘ Vortrag, den der Professor Fohrbeck unter anderem zur Rettung seines Arbeitsplatzes hält.
Darüber hinaus hat auch die Struktur des Romans einiges zu bieten. Der Balanceakt zwischen Reminiszenzen und Reflexionen, dem tiefen und detaillierten Ausleuchten von menschlichen Beziehungen verschiedenster Art, nicht nur im Rahmen von Therapiesitzungen, und dem Erzählen der eigentlichen Handlung ist Schneider in Ein Zweites Leben sehr gut gelungen. 

Timo Poensgen, posted in Literatur, Ahoimag

 
Michael Schneider, der viele Erfahrungen und Lebensstationen mit seinem Protagonisten teilt, hat mit dieser „Professorengeschichte“ weit mehr als eine unterhaltsame Lebens- und Liebesgeschichte geschrieben. Durch eine Vielzahl von Gesprächen und Reflexionen zu politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Tendenzen der vergangenen Jahrzehnte ergibt sich ein sehr persönliches, zugleich aber auch generationentypisches Panorama.

Katharina Blencke-Dörr, Buch-Tipp

 
Die Lesungen erhalten durch das vom Autor selbst performte magisch-musikalische Beiprogramm ihren besonderen Zauber. Vgl. hierzu die Rezension im Wiesbadener Kurier
 
Copyright (c)2013 Michael Schneider | Design by Templateo